N E U T O N U SR E F O R M A T U S

    VERÖFFENTLICHUNG publication

    Ed Dellian / Lexikon der philosophischen Werke (F. Volpi und J. Nida-Rümelin Hrsg.), Kröner 1988

    4. Samuel Clarke: A Demonstration of the Being and Attributes of God (1705)

    Die im 18. Jh. weit verbreitete (10. Aufl. 1749) naturphilosophisch-theologische Streitschrift repräsentiert die physiko-theologische Argumentationsweise, welche sich zum Beweis der Wirklichkeit und der Eigenschaften Gottes auf Newtons Philosophiae naturalis principia mathematica (1687) beruft.

    Clarke, engster Vertrauter Newtons, führt hier (wie auch 1715/1716 im Briefwechsel mit Leibniz) methodisch und inhaltlich Newtons Naturphilosophie als 'Philosophie der Freiheit' gegen deterministische 'Philosophien von Notwendigkeit und Verhängnis' ins Feld, die er als atheistisch bekämpft.

    Das Werk ist in zwölf "Propositions" gegliedert. Beginnend mit dem Satz, "dass etwas von Ewigkeit her existiert hat", mündet die Beweisführung darin, "dass der letzte Grund und Urheber aller Dinge mit Notwendigkeit ein Wesen von unendlicher Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit und allen anderen moralischen Vollkommenheiten sein muss".

    Obwohl Voltaire noch im Dictionnaire philosophique (1764) Clarke als Newton ebenbürtigen Metaphysiker und "vielleicht den gründlichsten und klarsten, den konsequentesten und kraftvollsten aller Philosophen, die von dem höchsten Wesen gesprochen haben" bezeichnet, geriet dessen Werk in dem Maße in Vergessenheit, in dem die Aufklärung theistische durch deistische Denkweisen, und Newtons Naturphilosophie durch metaphysikfreie analytische Mechanik ersetzte.